Respektvoll kotzen!

Hallo liebe Leute,

heute mal News und Facts, aber auch persönliches über das Leben auf und mit der “Stahlratte” von mir, Manfred (50). Ich gehöre also zu der Fraktion der schon eher älteren Generation an Bord obwohl ich mich in Übereinstimmung mit dem Klischee natürlich viel jünger fühle (mindestens 10 Jahre…).

Barbara und ich beim Segel einholen.

Jung und Alt – Wann ist man was?

Man sagt den im Alter Fortgeschrittenen üblicherweise ja Ruhe und Besonnenheit nach, mit der man die Jüngeren unterstützen könne. Da mag etwas dran sein an dieser Schlauheit, aber entscheidend ist doch wie die “jungen Leute” so ticken. Wir in unserer Crew sind da sehr verwöhnt. Hier sind es oft die jungen Mitglieder die sich in Aufgaben reinknien, ihre Kompetenzen erweitern und Verantwortung übernehmen. Teilweise neben der Verantwortung für ihre Kleinfamilie mit mehreren Kindern.

Sei es in Funktion der Kapitäne, der Vorsitzenden des mit dem Schiff verknüpften Fördervereins oder in der Öffentlichkeitsarbeit und Generierung von Einnahmen für den Schiffsunterhalt.

Es ist schön zu beobachten, wie junge Leute, die in einem Umfeld heranreifen konnten, das von Freiheit, Vertrauen aber auch Halt und Konsequenz geprägt wurde, sich mit den Jahren zu verantwortungsvollen Machern entwickelt haben. Ich selbst beobachte das seit fast 10 Jahren in dieser Gemeinschaft. Ohne diesen Umstand wäre das Projekt Stahlratte und die unmittelbar bevorstehende Meridian-Expedition nicht realisierbar. Hierfür braucht es Mut aber auch Verantwortungsgefühl, Vertrauen aber keine Naivität, Flexibilität statt Starrsinn, Loslassen von Illusionen um Wahrhaftigkeit zu finden.

Ein mehr dahinter – abgefahren mit Geist und Seele

Eine andere entscheidende Besonderheit in unserer Truppe ist unser spiritueller Kopf, der Schamane oder ich könnte ihn auch Weisen nennen. Jürgen. Wir treffen keine wichtige Entscheidung ohne ihn um den Rat aus der geistigen Welt zu befragen. Sicher hat jeder von uns – so wie es jedem Menschen möglich wäre – eine mehr oder weniger ausgeprägte Verbindung zum Geistigen. Und bei beruhigtem Verstand lässt sich über die Gefühlsebene den Kontakt zum Geistigen, zur eigenen Seele herstellen. Und somit wahrhafte Gefühle zu jeglicher Frage zu finden. Doch Entscheidungen welche die ganze Gemeinschaft betreffen oder gar Jürgens weitreichendes energetisches Wirken – der Grund für unsere Meridian-Expedition, möchten wir nur unter Einbeziehung des “Schamanen der Ozeane” treffen.

Ich weiß schon, liest sich ziemlich abgefahren, aber es ist die Wahrheit. Das alles verständlich zu erklären sprengt meinen zeitlichen Rahmen und überfordert mein überschaubares literarisches Talent.

Von Schubladen mit Lügen und Halbwahrheiten

Es wäre nun ganz  schön von Dir, nicht irgendwelche verstaubten Schubladen zu öffnen in die Du versuchen willst uns einzuordnen. Es wird nicht gehen… Nein, wir sind nicht durchgedreht, keine Halbgötter oder Esoterikspinner. Wir sind eine Gruppe Menschen, die leider noch viel zu “normal” ticken, indem sie ihre in der Zivilisation angenommenen Lügen und Halbwahrheiten nur schwerlich los werden und in kleinen Schrittchen sich mühsam ihrer eigentlichen individuellen Natur nähern möchten.

Ohne unseren spirituellen Lehrer und ohne die haltgebende Gemeinschaft würde keiner von uns dort stehen wo er/sie sich gerade aus energetischer Sicht befindet.

Gut, über die Jahre in Togo und Bulgarien konnten wir die eine und andere Seite des Egos kennenlernen und schwächen oder gar überwinden. Haben gelernt loszulassen um bereit für Neues zu sein. Haben gelernt persönliche Bedürfnisse hinten anzustellen um sich für ein übergeordnetes Ziel einzusetzen.

Vom Landei zur Hochsee-Ratte

Und dennoch – der Schritt vom Landei zur Hochsee-Ratte ist eine Verwandlung die alles andere als leicht wird. Ich selbst war schließlich in unserem Kleinod in Südostbulgarien als Hirte der behütende Kopf einer Herde Wasserbüffel mit der ich durch wilde Auenlandschaften zog. Habe mir ihr Vertrauen und Respekt erarbeitet und ihre Zuneigung und Milch geschenkt bekommen.

Im Garten und auf den Feldern lernte ich die Natur zu kultivieren um von ihr auf gesunde Art und Weise satt zu werden. Mit viel körperlichem Einsatz und Hingabe von der Aussaat bis zur Ernte und Konservierung, den wahrhaftigen Wert von natürlichen Lebensmitteln zu erfahren.

Loslassen! Mein Verstand zappelt wie ein Kleinkind…

Das loszulassen, um umgeben von Stahl und Technik auf der für den Menschen nicht wirklich lebensfreundlichen Umgebung Ozean ein neues Zuhause zu finden, rutscht im Verstand nicht ganz ohne Widerstände. Die Geborgenheit  der Auen und Wälder gegen die Weite des Meeres auszutauschen… Der Verstand zappelt wie ein Kleinkind das nicht auf seinem Stuhl sitzen möchte.

Doch entscheidend sind die Motive! Die Seele meldet sich mit einem Gefühl von Bestätigung für diesen Schritt zu Wort. Zu wichtig sind die energetischen Aufgaben während der Meridian-Expedition um an guten und liebgewonnenen Werten festzuhalten. Nur sehr wenige Menschen sind in der Lage energetische Manipulationen und Disharmonien aufzulösen. Unser Schamane an Bord gehört dazu. Und nur wenige Menschen können solch einen bei seinem Wirken unterstützen. Doch gelingt das ganze Projekt, kann es eine positive Veränderung für alle Menschen bedeuten.

Respektvoll kotzen!

Also: Die inneren Ärmel hochkrempeln, das eigene Ego in die Schranken weisen und die Begrenztheit des Lebensraumes Schiff mit 27 anderen Menschen auf möglichst respektvolle Weise teilen. Auch wenn es einem während einem Anflug von Seekrankheit im wörtlichsten Sinne zum kotzen ist, sollte das Motiv nicht verstummen.

Ich nehme es mir vor, wie ich auch meinen ganzen Mut der irgendwo in mir schlummert zusammennehme, um mich auf dieses Abenteuer einzulassen – obwohl ich alles andere als ein Abenteurer oder Adrenalin-Junkie bin. Es heißt mal wieder die eigenen Grenzen zu erweitern, dieses Mal in diesem begrenzten Raum eines Schiffes. Wo ich doch bisher meine über die Jahre antrainierte Strategie gefunden hatte, die Ruhe und Abgeschiedenheit der mich umgebenden Natur aufgesucht um mein inneres Gleichgewicht zu finden. Das wird spannend!

Welchen Umfang hat Freiheit?

Doch wenn ich mir vor Augen halte wie viele Menschen derzeit alleine durch die aus dem Ruder gelaufene Pandemiepolitik in ihrer Freiheit beschnitten werden, bin ich froh um diesen Platz auf dem sehr begrenzten Lebensraum Schiff, das eine Freiheit ermöglicht die ich im Moment noch gar nicht in vollem Umfang fassen kann.

Ich werde Euch gelegentlich berichten wie es mir ergeht auf offener See

Euer Manfred,

von der Stahlratten Crew

Manfred

2 Kommentare zu „Respektvoll kotzen!“

  1. LieberManfred ,von wegen “kein literarisches Talent”.Deinen Bericht finde ich sehr
    leb
    endig und wahrhaftig . Ich bin erst seit kurzem eine Eurer Zuseher,Euer Leben in
    Ondrisi hat mir so gut gefallen daß ich Euch gerne besucht hätte . Und schon hat sich alles verändert .Fragst Du Dich ob “Deine”Wasserbüffel jetzt genauso geliebt werden
    wie von Dir ?Ich hätte sie auch gerne erlebt. -Mit dem Herzen und vielen guten Gedanken werde ich Eure Reise begleiten.
    Im neuen Jahr kann ich eine kl.Summe spenden .-Die Schöpfungskraft möge mit Euch sein sowie mit uns allen die guten Willens sind. AHOI !

    1. Liebe Edeltraud, ein herzliches Danke an Dich für Deine schöne Rückmeldung! Tatsächlich denke ich öfter an die Wasserbüffel und ich hoffe sehr, dass die neuen Besitzer sich der Verantwortung für diese sensiblen Tiere in vollem Umfang bewusst werden.
      Ganz herzlich Manfred

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